
sozusagen "kaum eingezogen"
Es erinnert mich ein wenig an die Zeit von Studium, Ausbildung…; an die Zeit der ersten selbständigen Lebensabschnitte junger Leute, nachdem sie das Elternhaus verlassen haben. Die Entwicklungsphasen waren kurzlebig, die Meilensteine oft mit jeweils einer neuen Adresse und manchmal mit einem(r) neuen Partner(in) gekennzeichnet. Es wurde umgezogen, wegen der Ausbildungsstätte, wegen eines neuen Jobs, wegen der Beziehung oder einfach auch nur, um einen Tapetenwechsel zu vollziehen. In 7 Monaten ist Ilonka hier auf Mallorca dreimal umgezogen. 2mal wegen Tapetenwechsel – von der ersten in die zweite Wohngemeinschaft und mit Recht beklagte sie sich, daß dies mit 37 Jahren keinen Spaß mehr macht. Man hat als erwachsener Mensch einfach keine Lust mehr, daß eigene Kühlschrankfach gegen den Klau der Mitbewohner täglich zu verteitigen oder morgens das immer noch nicht abgewaschene Geschirr der Mitbewohner in der Küche soweit zur Seite zu rücken, daß ein Plätzchen auf der Arbeitsfläche frei wird, damit man/frau sich einen Kaffee aufgießen kann. Es nervt, wenn der Hausmüll den Wohnungseingang blockiert, da irgendwelche Trullas diesen garnicht wahrnehmen und daher niemals zur Mülltonne an der Strasse mitnehmen, wenn sie die Wohnung verlassen… . Nein, mit 37 Jahren will der „erwachsene“ Mensch sein eigenes Heim haben! Gegen Ende September/Anfang Oktober verlassen die Saisonarbeiter die Insel und es wird zunehmend Wohnraum frei. Ilonka hat sich – ach, ich weiß nicht, wieviele – mehrere Wohnungen angeschaut.

Dachterasse
Ein hin und her mit Maklern und Eigentümern, die am liebsten Blanco-Schecks, Immobilieneigentum oder einen unkündbaren, hochdotierten Arbeitsvertrag als Sicherheit für ihre Miete sehen wollen. „Hast Du keine Wohnung, kriegst Du keinen Job, hast Du keinen Job, kriegst Du keine Wohnung“ – so fühlte sich das manchmal an, bei den Besichtigungen diverser Wohnungen. Mit soviel Papierkram, wie möglich (Residenzia, Bankbescheinigung, daß man ein braver, schuldenloser Bürger sei, Arbeitsvertrag, Lohnzettel, etc.) ging es dann zur Vertragsunterzeichnung unserer neuen, GEMEINSAMEN Wohnung in Can Pastilla. „Na, ob der Zettelkram diesmal reicht…?“ Unsere Vermieter sind eine Mallorquinerin mit ihrem schottischen Ehemann, der selber auch Skipper ist. Ein riesen Vorteil, denn mit den beiden kann man reden – auf englisch – erzählen, was, wie wo, warum. Und? Nichts mussten wir erzählen. Maria, unsere Vermieter brauchte uns eigentlich nur, um die Verträge zu personalisieren und schwupp: 2mal unterschrieben, hatte jeder seine Vertragskopie in der Hand. Hurra, es ist geschafft! Ilonka, Wolfgang und Paxos sind nun endlich wieder zusammen. Die erste Hürde zur „Bodenständigkeit“ ist genommen.
Unsere Wohnung ist genau so eine, wie man sie als erste Adresse eines Neustarts hat. Zweiter Stock, kleine Terasse, unweit der Hauptverkehrsstrasse von Can Pastilla: tagsüber Autoverkehr, die Bushaltestelle 50 unüberhörbare Meter von der Eingangstür entfernt. Von der großen Gemeinschaftsdachterasse kann man die Flugbewegungen des nahen Flughafens sehen, bis abends auch vom Schlafzimmer aus hören.

Blick auf Tramontana-Gebirge
Das ist die Realität eines Neustartes; ganz anders, als die schon in Griechenland via Internet betrachteten Fincas oder Landhäuser von Mallorca ist das. Wir machen uns nichts vor: Step by step wird es gehen, für uns hier auf Malle. Für die gegebenen Umstände hat unsere neue Wohnung eine Toplage!
Für Leute ohne Auto („Step by step“, wie gesagt) liegt Can Pastilla bestens. Ilonkas Arbeitsplatz wird vom Bus im 10Minuten-Takt mit Abfahrt vor der Haustüre angefahren, das gleiche gilt für die Erreichbarkeit von Palma. Einkaufen ist zu Fuss möglich, die großen Einkaufszentren der Inselhauptstadt, inkl. Ikea und Lidl sind nahe bei. Zur Zeit habe ich einen Job bei einer Charterbasis im Club Maritimo. Dieser und auch der Strand sind zu Fuss in 5 Minuten erreichbar. Und, das war uns wichtig: Can Pastilla ist „spanisch, bzw. mallorquinisch“. Damit ist gemeint, daß es sich um einen Ort handelt, wo selbst in der Hochsaison der Anteil Einheimischer und Touristen sich jeweils die Wage hält. Und selbst Paxos scheint sich mit der neuen Lebenslage nach wenigen Tagen arrangiert zu haben.

Wohnzimmer
In alter Manier weckt sie einen von beiden um 5 Uhr morgens, um ihr Frühstück einzufordern, um dann die Morgenstunden auf der Dachterrasse unseres Hauses zu verbringen. Tagsüber wird geschlafen, abends geht es dann zu dritt gemeinsam hoch auf die Terrasse: für Paxos auf ein Streunern, für uns auf ein Glas Wein. Die Aura-Familien ist also nach 7 Monaten vereint, dankbar, glücklich und motiviert. Es geht weiter – gut so!
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